Das neolithische Dorf

Lange war ich auf er Suche nach Künstlern, die Szenen aus dem Leben unserer Vorahnen zeichnen, wie sie den neuen Erkenntnissen der aktuellen paläontologischen Forschung entsprechen. Dann bin ich auf den tschechischen Maler Zdenek Burian gestossen, der auch dieses Bild eines frühagrarischen Dorfes in Europa malte. Auf dem Bild sehen wir eine Arbeitsteilung, wie sie nicht der herkömmlichen Vorstellung über das Neolithikum entspricht: Den Landwirtschaftsarbeiten widmen sich vor allem Männer und im Vordergrund sieht man eine Frau mit einem Werkzeug zur Holzbearbeitung, begleitet von einem Hund. In der Hand trägt sie ein Tongefäss, vielleicht für den Transport einer Glut? Wir begegnen auch in diesem Bild auch wieder unserem geliebten Alpenschwein als Haustier. Die Szene spielt in einer lieblichen Landschaft an einem Süssgewässer. Aus den Kaminen der Häuser steigt Rauch. Im ganzen Bild geht es um Nahrung und Kochen, so wie in meinem «Kochbuch der Menschheit», welches im AT-Verlag anfangs nächsten Jahres erscheinen wird. In diesem Buch verwende ich weiterer Bilder von Burian.

Die «Cooking Hypothesis», die «Kochhypothese» geht davon aus, dass die Menschheit die Feuernutzung schon viel länger kannte als die bisherigen archäologischen Funde nahelegen. Ja mehr noch, sie geht davon aus, dass wir unser spezifisches Menschsein nichts anderem als der Kochkunst zuzuschreiben haben. Damit reiht sich diese wissenschaftliche Perspektive in jene wachsenden Forschungserkenntnisse aus Archäologie, Ethnologie, Anthropologie, Linguistik, Neurologie und Genetik ein, die uns darauf hinweisen, dass unsere Urahnen nicht jene knüppelschwingenden Rohlinge waren, wie sie die klassische Geschichtsschreibung bis anhin gerne zeichnete. Im Gegenteil, unsere Urahnen waren soziale und kooperative Wesen, lebten in egalitären Gesellschaften, waren gesünder als wir und mussten bedeutend weniger arbeiten.

Auch das Bild zeigt uns Menschen kooperative Wesen. Und es zeigt eine Form der Landwirtschaft, die wir heute als Permakultur bezeichnen würden. Davon war ja in diesem blog jetzt schon öfters die Rede, grad im Zusammenhang mit unserem Nachbarhof – dem Hof Morgarot, auch ein neolithisches Dorf. Eindrücke davon, konnte man kürzlich in der Sendung 10 vor 10 im schweizerischen Fernsehen finden (Link zur Sendung). Auch die Neue Zürcher Zeitung nahm sich diesem Thema an. Wir lesen: «Lange wurde diese Anbaumethode und Lebensphilosophie belächelt: zu arbeitsintensiv, zu wenig ertragreich, esoterisch angehaucht. Dieses Bild wollen Schweizer Betriebe nun aber korrigieren». In dem Artikel wird ein Permakulturbauer zitiert mit den Worten: «Es ist schon erstaunlich, wie schnell es geht, wenn man mit der Natur kooperiert».

Das Wort Kooperation ist ja heute in aller Munde und es gibt spezielle Kooperationstrainings. Dabei müssen wir Menschen Kooperation gar nicht üben; sie ist in uns genetisch angelegt. Wir müssen nur die Rahmenbedingungen dafür herstellen ;-) Permakulturlandwirtschaft stellt so einen Rahmen. Da geht es eben nicht nur um Kooperation unter den Menschen, sondern auch im jene mit der «mehr als menschlichen Welt» (Abram). Von dieser Kooperation – wir nennen sie «Natur-Dialog» werde ich in meinem Vortrag im nächsten Forum sprechen.