Gehen oder sich gehen lassen

Tag 21 der Quarantäne-Maßnahmen

Ich habe heute wieder meine Kartoffelliefertour gemacht und bin auch durch Wien gefahren. Und ich musste feststellen, Wien blüht auf. Das bisher zu Tode gepflegte öffentliche Grün verwildert zusehends. Das sieht wunderschön aus! Wilder Löwenzahn, Gänseblümchen, Gras das seine Halme wahrscheinlich zum ersten Mal in seinem Dasein ungestört in den Himmel strecken darf, spielende Kinder auf den Grünflächen (eigentlich blühende Wiesen) entlang des Gürtels (normalweise eine ziemlich triste Gegend geprägt von lärmenden Autoverkehr, Abgasen, Drogen, Prostitution - gibt's ja alles nicht mehr!), vermittelt ein noch nie gesehenes Bild. 

Es ist auch eigenartig anzusehen wie Polizisten nicht mehr den Autoverkehr im Fokus haben, sondern ihre Aufmerksamkeit ausschließlich auf den Fußgängerverkehr richten. 

Ich glaube, wenn ich Polizist wäre, würde ich morgen freiwillig kündigen, wenn ich mir vorstelle den ganzen Tag einer Horde spielender Kinder hinterherlaufen zu müssen um sie auf 1-Meter Abstand zu halten.

Die Maskenpflicht in Supermärkten ist eher witzlos ohne verfügbare Masken. Genauso wird damit auch umgegangen. So hätte ich das zumindest heute beobachtet...
Es kommt auch kein richtiges Karnevalsgefühl mehr auf, wenn nicht alle maskiert sind.

Tag 23 der Quarantäne-Maßnahmen

Heute früh fuhr ich mit einer Tankladung Wasser zu meinen erst ganz frisch gepflanzten Waldgarten um die Obstbäume zu gießen. Der neue Waldgarten ist in den letzten Tagen zu meinem Lieblingsort geworden, das Irrenhaus da draußen ist nicht mehr zu ertragen. Da lag eine tote Häsin, die ganz offensichtlich erst kürzlich von einem Greifvogel erlegt wurde. 

Beim Gießen der Bäume fand ich dann auch ihre drei Jungen zitternd unter einer Erdscholle kauernd. Mein Gott so lieb und ganz ohne Mutter! Ich dachte kurz nach, ob ich sie nicht großziehen soll. Aber nein, wenn ich sie großziehe können sie nie mehr ihr artbestimmtes Leben führen. Ich stellte fest, dass sie für die Jahreszeit schon sehr groß gewachsen sind und locker überleben werden. Ich brachte sie über den provisorisch errichteten Zaun der meine Obstbäume schützen soll und gab ihnen noch mit, dass sich jetzt auf sich selber achten müssen und dass sie ganz sicher wieder hierher zurückkehren können, wenn sie erwachsen sind. Da sind Bäume auch schon groß und sie können keinen Schaden mehr anrichten.

Als ich den Schlauch nahm um weiterzugießen, fiel mir ein, dass ja alle Kindergärten und Schulen im Moment geschlossen sind. "Papa" Staat hat alles geschlossen. Man muss jetzt selber auf sich aufpassen und selber lernen. Müssen wir uns alle selber die Krone (Corona) aufsetzen und selbst versorgende Strukturen aufbauen? Oder verlassen wir uns wieder auf einen neuen "Papa", der aus dem Feld aus Not und Furcht emporsprießt und der es mit uns vielleicht nicht so gut meint...