Neues vom Alpenschwein

Nun haben sie geworfen, die zwei Alpenschweine unserer Nachbarn, 16 süsse Schweinchen. «Sie sind einfach so hinausgekollert» erzählt Manuela über die Geburt. Noch sind sie im Stall und noch nicht auf der freien Weide. Die aufgewühlten Wiesen, welche den Spaziergängern auffallen, stammen nicht vom Alpenschwein, sondern dessen wilden Verwandten. Vor ein paar Wochen haben diese so auf dem Gelände gewütet, dass unsere Permakulturbauern die Jäger holten. So stand für eine Weile ein fahrbarer Jagdsitz bei uns auf dem Gelände. Erwischt haben sie sie nicht – die Wildschweine sind dem Gelände ferngeblieben. Ich habe mich gefragt, was denn geschehen würde, wenn sich die Wildschweine und die Alpenschweine begegnen. Können jugendlichen Wildschweine einen schlechten Einfluss auf die jungen Alpenschweine ausüben? Zum Beispiel das Aufwühlen von Erde. Eine Art unerwünschte Erlebnispädagogik?

In der Erlebnispädagogik gibt es ja das methodische Konzept des sogenannten Komfortzonenkreis: Innen ist der Komfortraum, dann der Risikoraum und dann der äusserste Ring mit den Begriffen Leere, Chaos, Tod und Verwirrung.
 



Das klingt schon ziemlich gefährlich und die Erlebnispädagogik sind angehalten, ihre Klienten davon zurückzuhalten. Doch wie wir aus der Chaostheorie wissen, ist Chaos eben nicht Chaos, sondern nur eine andere Ordnung. So haben wir haben in unserer «systemischen Erlebnispädagogik» diesen äusseren Raum nicht als so gefährlich angesehen, sondern ihn auch aufgesucht; das hat uns den Ruf einer sogenannten «archaischen Erlebnispädagogik» (Cornelia Schödelbauer). Und da ist natürlich etwas Richtiges dran; im archaischen bzw. genetischen Menschheitsgedächtnis entspricht die Komfortzone der schützenden Halbhöhle mit dem Feuer. Dann folgt die «Risikozone»; der wird aufgesucht für’s Holzsammeln, für’s Klo und für Liebesabenteuer. Geschützt ist dieser Raum seit Jahrtausenden von unseren Schützern, den Hunden, und, was die unsichtbaren Kräfte betrifft, die Schutz und Bann Rituale, wie sie noch heute im Alpenraum durch den Betruf erinnert sind.

Dahinter lauert der Säbelzahntiger und das ES (siehe Blogbeitrag Wildes Weben). Unsere Alpenschweinchen, die sich ja im Komfortraum des Bauernhofes aufhalten sind natürlich auch gefährdet. Vorbeigehende Spaziergänger, die sich an den kleinen Ferkeln erfreuen, sind auch gleichzeitig Wesen aus dem Risikoraum, die auch einem Spanferkelgericht nicht abgeneigt sind. Und seit ein paar Tagen ist eine neue Gefahr aus der Wildnis aufgetaucht; ein Wolf, Marcel hat die Spuren entdeckt und Manuela ist überzeugt, ihn auch von Auge zu Auge gesehen zu haben. Da das Schweizervolk eine Initiative gutgeheissen hat, die das Abschiessen von Wölfen untersagt, können die Jäger nicht gerufen werden und so hat Manuela auf eine alte Schutztradition zurückgegriffen; dem Betruf der Älpler ähnlich belegt sie jeden Abend das Gebiet ihres Hofes mit einem Schutzbann.