Um was geht es eigentlich

In einer Nachbarschaftsgruppe hatte jemand geschrieben, dass er auf sein Recht beharren möchte, eine andere Meinung zu haben. Er machte auf die Einheitsberichte in den Medien und den fehlenden öffentlichen Diskurs aufmerksam und wollte Gespräche anregen. Meinungsfreiheit ist in Gefahr hatte er geschrieben und dass Menschen die, anders als der Mainstream es vorgibt, denken, der Mund verboten wird. Und so reagierten leider auch sehr viele Nachbarn darauf, aggressiv forderten sie den Nachweis seiner wissenschaftlichen Expertise und stempelten ihn pauschal zum Verschwörungstheoretiker. Da regte sich auch meine Angst.

Ein Freund im Gemeinschaftsgarten sprach von seiner Angst. Er konnte gar nicht genau sagen, was ihm Angst macht, nur, dass sie eben da ist und dann zählte er alles auf, was gerade so durch die Medien kommt. Seine Angst war wie eine Wand zwischen uns, beinahe materiell. Ich sagte, wir wissen ja gar nicht, was passiert. Das kann ganz schlimm sein oder auch ganz wunderschön oder wohl eine Komposition tausender Variationen zwischen ganz schlimm und wunderschön. So ist es doch immer, dieses Leben. 

Gerade jetzt singen doch die Vögel so wunderschön um uns herum und wir sitzen hier in der Sonne und reden miteinander, das ist doch wunderbar! Ich atme tief ein, das Licht um mich herum dehnt sich aus. Ich atme wieder aus und die Angst fliegt mit dem Wind davon. Dieser Frühling, die blühenden Bäume und die Summer und Schwirrer und Zwitscherer ringsherum erwärmen mein Herz und die Sonne tut das auch und die Luft ist so rein und die Menschen haben Zeit, auf meine zögerlichen Antworten zu warten. Da fliesst Kraft, das tat sie immer. Wenn ich entspannt bin, einfach jetzt und hier bin, darf sie mich durchströmen, sich in mir ausbreiten, mich einnehmen. Ist es nicht das, worum es eigentlich geht? Sollte dann wirklich etwas geschehen, sollte das Jetzt zu einem werden, in dem ich nicht voll Freude sein kann, dann wird Angst oder Wut oder Trauer, auch Hoffnung und Bedachtheit die Kraft generieren, passend zu reagieren. 

Eine liebe Freundin fragte mich, wie ich allgemein über die „Corona-Pandemie“ denke, was meine gesellschaftspolitische Haltung sei. Dazu erzählte sie mir ihre Sicht und ich spürte, wie schwer ich mich auf die nähere Beleuchtung nur eines der vielen gerade im Umlauf befindlichen Themenstränge einlassen kann, die noch dazu in sich so verquer wirken. Im Raum sind so viele verschiedenste Perspektiven und Tendenzen, das Thema zu betrachten. Sie handeln von so unterschiedlichen Dingen, wiedersprechen sich, haben schräge Bezüge zueinander, manche scheinen wie aus einer ganz anderen Welt. Ich habe das Gefühl, ginge ich auf eines der Themen ein, wäre es eine Übergewichtung dessen, gegenüber einem anderen. Es sind alles Möglichkeiten, die anschwellen könnten und/ oder zerplatzen wie eine Blase. Sie verwirren den Geist. Manchmal scheint es alles wie eine riesige Mind-Beschäftgungsmaschinerie.
Ist wirklich Corona das Thema?
Oder um was geht es eigentlich?