Unsere irdische Heimat

Unsere irdische Heimat hat viele Namen. Als Globus ist sie ein kugelförmiger, als Planet ein kreisender, als Welt ein bewohnter und als Erde ein fruchtbarer Himmelkörper. Erde ist auch gleichzeitig der Name für eines der vier Elemente, die – neben der Luft zum Atmen, dem Wasser zur Befeuchtung und dem Feuer für die Wärme – das Leben dieser Welt braucht. Dieser Planet der vier Elemente hat all sein Leben dem Vorhandensein von Wasser zu verdanken, doch uns Menschen als Gattung gibt es nur, weil wir lernten, das Feuer zu kultivieren. Seit einer Million Jahren sind wir die einzigen Lebewesen auf dem Planeten, die sich das Feuer zum Freund gemacht haben. Aber erst vor 14'000 Jahren haben die Sapiens begonnen, auch das Element Erde zu kultivieren. Wir mussten die Landwirtschaft erfinden und das Sammler-Jägertum mehrheitlich aufgeben, weil wir durch unser enormes Bevölkerungswachstum dazu gedrängt worden sind. Damals wurden wir zu richtigen Erdlingen und haben uns in diesem Element – einige behaglich, viele aber unbehaglich - eingenistet. Doch in der letzten Zeitepoche begannen wir uns zunehmend in die Luft zu katapultieren; sind zu wahren Luftikussen geworden, Astronauten, die um den Planeten fliegen und im Internet surfen. Aber jetzt hat uns Corona die Luft weggenommen und gegroundet – aus – die Flieger sind am Boden, die Menschen gehen wieder vermehrt zu Fuss in den Wald und die Permabauern erleben einen Ansturm auf Erdiges. Die Erde hat uns wieder.

Erde heisst nun eben nicht nur unsere Heimat im Weltraum, Erde ist auch eines unserer Lebenselemente und Erde ist vor allem jene Materie, die uns nährt. Diese nährende Erde nennt sich Humus und ist von Natur reich an Leben und hat viel zu geben. Und weil alles Lebendige aus Humus ist und wieder zu Humus wird, wäre dies ein erneuerbarer Rohstoff, denn wahre Nachhaltigkeit ist zirkulär. Aber diesen alten Vertrag mit der Erde haben wir Menschen aufgekündigt und ersetzt durch ein einseitig erklärtes Ausbeutungsrecht, weil wir so viele geworden sind, dass das natürliche Gleichgewicht aus dem Lot geraten musste. Und wir nehmen uns das Recht, von der Erde mehr nehmen zu dürfen, als von der Natur vorgesehen und damit dieses lineare Vorgehen funktioniert, muss Unnatürliches hineingepumpt werden: Kunstdünger, Herbizide, Pestizide und durch Hormone und Antibiotika vergiftete Gülle in Hülle und Fülle. 

Kinder brauchen Dreck, heisst ein Buch von Andreas Weber. Und mit diesem Dreck ist eben nicht jener Schmutz gemeint, den die Agrarwirtschaft täglich in die Erde gibt, sondern es ist der Humus gemeint. Darum gehen die Waldkindergärten nicht in die Gärten, sondern in den Wald. Dort ist die Erde nicht vergiftet.

Zum «Rosenhof», homeground von natur&healing, dessen Flurnahme eigentlich «Boden» heisst, gehörten 2 Hektaren Land. Dieses Land ist seit über 20 Jahren nicht mehr gedüngt worden. Und unser privater Wohnort, der Freudenberg, hat vier Hektaren Land, das vor fünf Jahren im Zuge einer ökologischen Aufwertung zur reinen Blumenwiese wurde, die nicht gedüngt werden darf. Das Gras wird zweimal im Jahr geschnitten und muss als Heu mindestens drei Tage liegenbleiben, damit sich die Blumen reichlich versamen. Das duftende Heu nimmt dann unser Nachbar, der Permakulturhof, als Futter für seine Tiere. Und auch die 20 Hektaren Land dieses Hofes, der «Morgenrot» genannt wird, dessen Flurnahmen aber zufällig auch «Boden» ist, wird nicht gedüngt. Die Schafe, Hühner, Gänse, Yaks, Geissen und Alpenschweine leben im Freien und produzieren deshalb gar keine Gülle, nur etwas Mist – gut riechender Mist.

Und das ist auch das Hauptmerkmal einer guten Erde – sie riecht gut. Damit wäre sie – nebenbei gesagt – auch ein geeigneter Coronatest. Wer gute Erde riechen kann, hat nicht Corona. Und wer täglich seine Hände in Erde graben lässt, bekommt auch keine. Und weil diese Coronazeit neben vielem anderem uns auch die Hand bietet, wieder mehr mit der Erde Kontakt zu kommen, sollten wir Menschen dies jetzt anpacken. Es ist eine Chance und zum Glück gibt es all jene Menschen, Communities und Organisationen, die das alte Handwerk der Erdpflege am Leben erhalten, oder wiederentdeckt haben: Permakultur, Agrarökologie, Demeter und Terra Preta. Aber davon mehr im nächsten Beitrag.