Das Natur-Dialog-Modell

Wir arbeiten mit Mensch und Natur. Also in und mit den Natur-Räumen unseres Heimatplaneten und der vielschichtigen Menschnatur. Das Wichtigste ist in all dem das Dazwischen: die Kraft und wechselseitige Beziehung, der lebendige Dialog nicht nur unter Menschen sondern auch zwischen Mensch und Raum. So nennen wir unseren Arbeitsansatz "Natur-Dialog-Modell".
Es kommt für Entwicklung, Handlung und Wahrnehmung rund um Erdverbundenheit, Vielfalt, Gegenwärtigkeit, Gemeinsinn und Wechselseitigkeit zum Einsatz.

Grundannahmen natur-dialogischer Reflexion und Handlung

Der Doppel-Dialog
Als Arbeitsweisen, die primär in Beratung, psychologischer Begleitung und Psychotherapie zum Tragen kommen, stehen der Umgang mit Selbstbildern, mit biografischen und historischen identitäts- bzw. seelenbildenden Kräften sowie Fragen zur aktuellen Lebensgestaltung im Vordergrund.
Die Aufmerksamkeit für den inneren Dialog, der sich sprachlich, bildhaft und sinnlich zwischen Jetztwahrnehmung, Erinnerung  und Vorstellung entspinnt sowie die Wahrnehmung des sinnlichen Zeichendialogs mit der konkreten, äusseren Welt bilden den für natur-dialogische Ansätze wesentlichen Doppel-Dialog. Aus ihm erschliesst sich der spezifische Charakter unserer Lebensgeschichte und Lebenskräfte.

Vertrautheit mit lebendigen Dingen schaffen
Das wieder oder vertieft Vertraut-Werden mit dem Lebendigen, dem Vitalen, das der Erde, ihren Elementen, Organismen, Lebewesen und uns Menschen selbst innewohnt, ist ein zentrales Moment des natur-dialogischen Ansatzes. Er konzentriert sich auf das Diesseitige, Gegenwärtige und auf das ihm eingebettete Zauberhafte, das erscheinen will. Unverfügbarkeit und höchst begrenzte Steuerbarkeit zeichnen das Lebendige, das Beseelte aus. Mit all dem gilt es in Kontakt zu bleiben.

In einer vielstimmigen Welt zu Hause sein
Natur-Dialogische Verfahren orientieren sich an der Pluralität der Welt und daran, dass diese Vielfalt in wechselseitiger Beziehung zueinandersteht und in ständigem Austausch gutes Leben schafft. Die Fähigkeit zur vielstimmigen Raum- und Menschbeziehung, die allem ein Eigenleben zugesteht und zugleich sinnvolles Gemeinsames wahrnimmt, ist Grundlage für eine vertrauensvolle Lebenserfahrung, die jenseits der gewohnten Angst- und Kontrollmechanismen liegt.  Um die Förderung solcher Erfahrungsräume geht es.

Das phänomenologische Erforschen des (noch) Verborgenen
Natur-dialogische Begleitung fördert phänomenologische Wahrnehmung und Erfahrung. Darin sind Anliegen, Wünsche und Hoffnungen zwar Ausgangspunkte, der Zugang zu ihnen ähnelt jedoch mehr einem offenen, neugierigen Erforschen als einem geraden Zusteuern auf ein Ziel. In diesem Er-Forschen taucht auf, was sich zeigen will und gesehen werden kann.
Der Umgang mit dem unvorhersehbar Prozesshaften des Lebens und darin das freundliche Gewahrwerden von Ressourcen aber auch von destruktiven Prägungen sowie die Rückverbindung mit dem „Heilen Raum“ sind wesentliche Elemente auf dem natur-dialogischen Weg.

Naturdialogische Praxisfelder

Handeln in der Natur: Feuerkreis-Dialoge
Konkrete Aufenthalte in weitestgehend zivilisationsfreien Naturräumen, bei denen einfaches, erdnahes Leben und alte naturbezogene Kulturtechniken erlebt und gelebt werden, aktivieren verschüttete Ressourcen von Wahrnehmung, Handfertigkeit und Beweglichkeit. Gemeinsames Kochen am offenen Feuer, Einrichten von sicheren und ästhetischen Übernachtungsplätzen und eine  Dialog-Kultur in Kreisen rund ums Feuer ruft, was vielen Menschen heute entrückt ist: Die Erfahrung, dass die Erde Heimat und Lebensgrundlage ist und unsere Beziehung zu ihr Grundbedingung für gutes Leben.

Praxis in Verbundenheit: Raum-Zeichen-Dialoge
Den natur-dialogischen Ansatz interessiert, „was uns bewegt“ und wie wir gelingende Beziehungen gestalten können.  Die dialogische Praxis der Verbundenheit, die hier gemeint ist, lenkt die Wahrnehmung auf die Atmosphären, Ereignisse und Erscheinungen zwischen uns und unserer Lebensumwelt, nicht auf ein jenseitiges Prinzip oder eine allgemeingültige Matrix.
Körperliche Resonanzen, Gefühle und Ahnungen, Einfälle und spontane Erkenntnisse, die sich aus Situationen und ihren Zeichen erschliessen, machen die Kunst der Wahrnehmung aus, die im natur-dialogischen geübt wird. Sie fördert die „alte Kunst“ phänomenologischer Wahrnehmung und Lebensführung. Das Leben in den vielfältigen Erscheinungen Zeichen lesen und darin selbst erscheinen und seine Wege finden.

Tiefenerinnerung: Heil- und Tiefendialoge
Menschliches Leben erfährt, erzählt, erinnert und gestaltet sich besonders über Sprache und Geschichten. Sie ist von Strukturen und sinnbildenden Kräften bestimmt. Sie unterstützen im Gewahr-Werden jener „selbstverständlichen“ Wahrnehmungs- und Organisationstrukturen, die seit Jahrtausenden von Gewalt-, Herrschafts-, Verdrängungs- und Ausbeutungsgeschichten geprägt sind und zugleich ebensolche wiederholend prägen. Gefühle und Erfahrungen von Isolation, Angst und Unterdrückung sind dabei die Dreh- und Angelpunkte, die in Verbundenheit, Vertrauen und nährendes Miteinander verwandelt werden wollen.
Tiefenerinnerung wird durch die erst genannten Praxisfelder angeregt, im besonderen gefördert durch Arbeit mit Träumen, Mythen, Kunst und auch durch die konkrete Auseinandersetzung mit der Urhistorie der Menschheit. Ein zentrales Erinnerungsfeld für die Tiefenerinnerung ist der «Heile Raum der Mensch-Geschichte».

Zum Natur-Dialog-Modell-Prozess

Natur-Dialog-Modell

Das Natur-Dialog Modell nach Hufenus und Kreszmeier versteht sich als Manifest unserer Schule und will anderen, die in dem Feld arbeiten, Unterstützung bieten. Es wird aktuell mit einer Fachkreisgruppe überarbeitet. Wenn du dich in Publikationen etc. darauf berufen möchtest, dann freuen wir uns über Kontaktaufnahme. Herzlichen Dank allen aktuell aktiv Mitwirkenden: Christian Mulle für die Skizze, Ute Vogl, Betty Kerschbaumer, Sabina von Fischer und Sinha Weninger für ihr ordnendes Mitformen.